Die Europäisierung der Verfassungsinterpretation - Unter Besonderer Berücksichtigung der Griechischen Verfassung (The Europeanisation of Constitutional Interpretation - With a Focus on the Greek Constitution)

in: Dimitris-Tsatsos-Institut für Europäische Verfassungswissenschaften, Peter Brandt / Andreas Haratsch / Hans-Rüdiger Schmidt (Hrsg), Verfassung - Parteien – Unionsgrundordnung (Gedenksymposion für Dimitris Th. Tsatsos, Erträge des Symposions des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfas

47 Pages Posted: 12 Mar 2014 Last revised: 10 Nov 2015

Date Written: November 9, 2013

Abstract

German Abstract: Im Zeitalter der Globalisierung unterliegen Staat und Verfassung einer radikalen Änderung. Nunmehr ist die Verfassung nicht ausschließlich national, sondern sie erlangt eine transnationale Dimension. Wird die nationale Verfassung – wie auch Staat und Souveränität – von den Prozessen der Europäisierung und Internationalisierung unmittelbar beeinflusst, so wird dies auch ihre Interpretation. Juristische Probleme treten nicht national isoliert auf und beanspruchen im Kontext einer vernetzten Welt grenzüberschreitende Lösungen. So löst sich, wie Tsatsos bemerkt hat, "die klare Grenze zwischen nationalem und internationalem, vor allem europäischem Rechtsleben, immer weiter auf". Im folgendem soll der Versuch unternommen werden, zu zeigen wie die Interpretation nationaler Verfassungsnormen die Unionsgrundordnung, Verfassungen anderer Mitgliedstaaten sowie auch transnationales Verfassungsrecht zu berücksichtigen hat. Das methodologische Instrument der Rechtsvergleichung erlangt in diesem Kontext neue Funktionen und gewinnt an Bedeutung und normative Folgen.

Aufgrund der obigen Gedanken werden die Kernfragen aufgeworfen, wie und inwieweit die EMRK und das Unionsrecht die Verfassungsauslegung beeinflussen. Die Abgrenzung beider Tätigkeitsfelder – Verfassungsauslegung im Lichte des Europarechts und des vergleichenden Verfassungsrechts – muss erst betont werden. Trotzdem werden die zwei Aspekte, Unionsgrundordnung und Verfassungsvergleichung, immer enger verbunden. Spezifischer wird hier behauptet, dass durch das Unionsrecht, aber auch durch die EMRK und die Entscheidungen des EGMR, die Rechtsvergleichung, auch in Sachen des Verfassungsrechts, neben dem kulturellen, auch normative Kraft auf die nationalen Verfassungen gewinnt. Stützen sich beide – Unionsrecht und das Europäische Gericht für Menschenrechte – auf gemeinsame Verfassungsüberlieferungen als substantielle Grundlage bzw. auf wertende Rechtsvergleichung als methodisches Instrument, dann transformieren sich die europäischen Verfassungen in ihrer Gesamtheit, wie es aufgrund einer Vergleichung scheint, mittelbar zu Quelle interpretatorischer Argumentation. Einen weiteren Punkt dieses Beitrages stellt der Einfluss des Unionsrechts auf die Verfassungsinterpretation, die sogenannte europakonforme oder – freundliche Interpretation der Verfassung dar.

English Abstract: In the context of an interconnected world, whether national constitutions are influenced – as State and sovereignty are – by the ongoing processes of Europeanisation and globalisation is mostly a matter of interpretation. Legal problems are not nationally isolated; that’s why they deserve transnational solutions. Subsequently, interpretation of constitutional norms should take into consideration both the European legal order and the constitutional texts of other member states as well as the transnational constitutional law, such as the ECHR. In this context, the methodological instrument of comparative law gains new functions and an enhanced normative effect. Questions are raised such as how and to what extend ECHR and EU law influence constitutional interpretation.

Despite their interconnectedness, the two influences, European legal order and comparative constitutional law, remain distinct and normatively of differentiated strength. More specifically it is claimed that ECHR and the jurisprudence of the ECtHR, the comparative perspective, gains, besides the cultural, a normative interpretational power over national constitutions. Both EU law and ECtHR case law are based on common constitutional traditions as their substantial basis, on the one hand, and on legal comparative evaluation as a methodological instrument, on the other. This way of proceeding leads to the transformation of European constitutions while comparison turns to be a source of interpretive reasoning. In the last part, the distinct influence of European law on the Greek constitution, through the interpretation of the latter in accordance with the former, is further examined.

Note: Downloadable document is in German.

Suggested Citation

Papadopoulou, Lina Triantafyllia, Die Europäisierung der Verfassungsinterpretation - Unter Besonderer Berücksichtigung der Griechischen Verfassung (The Europeanisation of Constitutional Interpretation - With a Focus on the Greek Constitution) (November 9, 2013). in: Dimitris-Tsatsos-Institut für Europäische Verfassungswissenschaften, Peter Brandt / Andreas Haratsch / Hans-Rüdiger Schmidt (Hrsg), Verfassung - Parteien – Unionsgrundordnung (Gedenksymposion für Dimitris Th. Tsatsos, Erträge des Symposions des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfas, Available at SSRN: https://ssrn.com/abstract=2406646

Lina Triantafyllia Papadopoulou (Contact Author)

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Greece

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