Brexit Poker – Wer Hat Die Besseren Karten in Den Austrittsverhandlungen? (Brexit Poker – Who Has a Better Hand in the Withdrawal Negotiations?)

Wirtschaftsdienst, 96. Jahrgang, Heft 10 (2016), pp. 763-768

6 Pages Posted: 19 Oct 2016

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Hans-Bernd Schäfer

Bucerius Law School; University of Hamburg

Arkadiusz Radwan

Allerhand Institute; Vytautas Magnus University - Faculty of Law; Kubas Kos Gałkowski

Date Written: October 18, 2016

Abstract

German Abstract: Der Aufsatz ist ein Versuch, Licht auf die politische, wirtschaftliche und rechtliche Lage Großbritanniens gegenüber der Europäischen Union nach dem EU-Mitgliedschaftsreferendum und im Vorfeld der Austrittsverhandlungen zu werfen. Zunächst fassen wir die verfassungsrechtliche Kontroverse über die Kompetenz- und Verfahrensfragen zur rechtmäßigen Brexit-Durchführung zusammen. Es folgt ein Überblick zu der Frage, wie der im Vertrag über die Europäische Union und im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union festgelegte Rechtsrahmen die Entscheidungsfindung der Verhandlungspartner determiniert. Wir identifizieren drei Säulen, auf denen jegliche Entscheidungsarchitektur beruht: (1) die 2-jährige sunset-Klausel, wonach der Zeitablauf, beginnend mit der Austrittserklärung, automatisch zum Austritt aus der Union führt; (2) der sog. Tacit-default, wonach das Nichtzustandekommen eines Austrittsabkommens, welches die Sonderregelungen für die künftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union regeln würde, das Vereinigte Königreich zu einem schlichten WTO-Mitglied zurückstuft – ohne irgendeinen privilegierten Zugang zum europäischen Binnenmarkt und (3) die Voraussetzung einer qualifizierten Mehrheit zur Verabschiedung eines Austrittsabkommens durch den Europäischen Rat, die einer geringen Zahl der Mitgliedsstaaten ermöglicht, eine Sperrminorität zu bilden. Vermutlich wird Großbritannien, um den Zugang zum europäischen Markt nicht zu verlieren und um seine Rolle als Finanzzentrum sowie als Tor zu Europa für private Investoren aus Drittländern weiter spielen zu können, Transferleistungen an die EU akzeptieren müssen, die mit den bisher getragenen Nettozahlungen vergleichbar, wenn nicht höher sein werden. Darüber hinaus wird vom London höchstwahrscheinlich verlangt, wesentliche Bereiche des Acquis Communautaire, zumindest bezüglich der vertraglichen Grundfreiheiten (Waren-, Dienstleistungs-, Niederlassungs-, und Kapitalfreiheit sowie Arbeitnehmerfreizügigkeit) zu beachten, wenn es vom Zugang zum EU Binnenmarkt weiterhin profitieren will, auch nach dem vollgezogenen Brexit.

English Abstract: The political, economic and legal situation of Great Britain vis-à-vis European Union in the aftermath of the membership referendum and awaiting the commencement of withdrawal negotiations is interesting. The authors summarise the legal controversy in the UK over the powers and procedures needed to be complied with in order to duly trigger the Brexit. They then sketch the legal framework as provided by the Treaty on European Union and the Treaty on the Functioning of the European Union to reconstruct the decision-making architecture under which parties to the upcoming negotiations will have to make their choices. After outlining the opportunity cost for Great Britain associated with leaving the Union, in particular those regarding the financial institutions and foreign direct investments, they conclude that decision-making architecture governing the upcoming withdrawal negotiations puts Brussels in pole position vis-à-vis London. It is likely that Britain will have to accept transfer payments to the EU similar to, if not higher than the net transfers that have been due so far. Some degree of the compliance with the acquis communautaire, at least with regard to the treaty's fundamental freedoms (goods, workers, services, establishment and capital) will most likely also be expected from London, if it wants to benefit from access to the European market after the termination of its EU membership.

Note: Downloadable document is available in German.

Keywords: Brexit, Exit-Referendum, EU-Mitgliedschaftsreferendum, Austrittsverhandlungen, Austrittsabkommen, Art. 50 EUV, Transferleistungen, Zugang zum Binnenmarkt

JEL Classification: F13, F15, K33

Suggested Citation

Schaefer, Hans-Bernd and Radwan, Arkadiusz, Brexit Poker – Wer Hat Die Besseren Karten in Den Austrittsverhandlungen? (Brexit Poker – Who Has a Better Hand in the Withdrawal Negotiations?) (October 18, 2016). Wirtschaftsdienst, 96. Jahrgang, Heft 10 (2016), pp. 763-768. Available at SSRN: https://ssrn.com/abstract=2854164

Hans-Bernd Schaefer

Bucerius Law School ( email )

Jungiusstr. 6
Hamburg, 20355
Germany

University of Hamburg ( email )

Allende-Platz 1
Hamburg, 20146
Germany

Arkadiusz Radwan (Contact Author)

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Plac Sikorskiego 2/7
Kraków, 31-115
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Vytautas Magnus University - Faculty of Law ( email )

Jonavos g. 66
Kaunas, LT-44191
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Kubas Kos Gałkowski ( email )

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ul. Rakowicka 7
Kraków, 31-511
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