Pronomina im Antezedenten und Restriktivität/Nicht-Restriktivität von Relativsätzen im Kroatoserbischen und Deutschen (Pronouns in Antecedents and Restrictive / Non- Restrictive Relative Clauses in Serbo-Croatian and German)

In: Suprun, Adam ; Jachnow, Helmut (Eds.), Slavjano-germanskie jazykovye paralleli / Slawisch-germanische Sprachparallelen, Minsk : Belorusskij gosudarstvennyj universitet, 1996. Pp. 163-189

27 Pages Posted: 13 Aug 2019

Date Written: November 5, 1996

Abstract

German Abstract: Da die mittels "koji" eingeleiteten Relativsätze am frequentesten sind im Serbokroatischen, wird am Beispiel dieser Sätze der Einfluß der Antezedens-Zusammensetzung auf die Realisierung des Relativsatzes als restriktiven oder nicht-restriktiven Attributs beschrieben. Die Frequenz restriktiver und nicht-restriktiver Relativsätze ist in der Schriftsprache ungefähr gleich, wie man aus der Korpusanalyse sieht. Auch nach einzelnen funktionalen Stilen der Schriftsprache ist der Unterschied in der Frequenz zwischen dem einen und anderen Satztyp unbedeutend. Der administrativ-juristische Stil ist ein wenig restriktiver. Dies ist infolge des Inhalts von Texten aus diesem Stil verständlich, in denen Sachverhalte sehr häufig präzise bestimmt und voneinander abgegrenzt werden (z.B. wer was darf, wer was nicht darf, wer schuld sein wird, und wer nicht u.ä.). Durch seine Restriktivität ist der administrativ-juristische Stil der gesprochenen Sprache am nächsten, und die bedeutendere Restriktivität der gesprochenen Sprache läßt sich dadurch erklären, daß sich die Menschen mittels ihrer im Allgemeinen einfacher ausdrücken und kürzere Satzkonstruktionen gebrauchen. Deshalb werden viele Sätze, die in der Schriftsprache als nicht-restriktive Relativsätze realisiert würden, in der gesprochenen Sprache als unabhängige Sätze realisiert (aus diesem Grund ist die Anzahl der nicht-restriktiven Relativsätze in der gesprochenen Sprache geringer). Im Gegensatz zum administrativ-juristischen Stil ist der wissenschaftliche Stil unter den Stilen der Schriftsprache ein wenig nicht-restriktiver. Mehr als in anderen Stilen kommen im wissenschaftlichen Stil Sätze vor, in denen - nachdem der Referent bereits präzise bestimmt wurde - trotzdem noch zusätzliche Erklärungen und Informationen über den Referenten geboten werden. Das Korpus zeigt, daß die Antezedens-Zusammensetzung Einfluß auf die Restriktivität oder Nicht-Restriktivität des Relativsatzes nimmt. Wenn das Antezedens ein Eigenname oder ein Wort ist, durch das die Unikalität des Referenten bezeichnet wird, dann ist der Relativsatz nicht-restriktiv. Die Korpusbeispiele bestätigen, daß auch das Personalpronomen in Antezedensfunktion Einfluß darauf nimmt, daß der Relativsatz als nicht-restriktiv interpretiert wird. Allerdings zeigt die Analyse ebenfalls, daß auch Beispiele bestehen, die davon abweichen, und daß der partitive Genitiv des Personalpronomens dort in entgegengesetzter Richtung gewirkt hat, d.h., daß er die Interpretation des Relativsatzes als restriktive Bestimmung beeinflußt hat. Die Restriktivität/Nicht-Restriktivität des Relativsatzes ist im Allgemeinen Resultat der Wechselbeziehung zwischen mehreren verschiedenen Faktoren, unter denen auch Faktoren von pragmatischer Natur eine bedeutende Rolle spielen. Dennoch kann man die Rolle der formalen Konstituente des Antezedens-Syntagmas - des Determinators (Demonstrativ-, Possessiv-, Indefinit-, generalisierende und negierende Pronomina, sowie das Wort "jedan") - bei der Realisierung des Relativsatzes als restriktiver bzw. nicht-restriktiver Bestimmung der Wichtigkeit nach hervorheben. Die Korpusanalyse hat gezeigt, daß in vielen Fällen ein Zusammenhang zwischen der Anwesenheit eines bestimmten Determinators im Antezedens und der Restriktivität bzw. Nicht-Restriktivität des Relativsatzes besteht. Manche Determinatoren bewirken, daß die nach ihnen folgende Bestimmung in Form des Relativsatzes als restriktiv interpretiert wird: die demonstrativen kataphorisch und selektionierend gebrauchten Determinatoren "onaj", "takav" und "onakav", die generalisierenden Determinatoren svi und svaki, die indefiniten Determinatoren mit der Bedeutung 'irgendeiner' ("ikoji, kakav god" u.ä.). Andererseits tragen manche Determinatoren dazu bei, daß dieselbe Bestimmung als nicht-restriktiv gedeutet wird: die demonstrativen deiktisch oder anaphorisch gebrauchten Determinatoren "ovaj" und "taj", alle possessiven Determinatoren ("moj, tvoj, njegov, njezin, naš, vaš, njihov, svoj"), die indefiniten Determinatoren "neki" und "jedan". Manchmal kann der Einfluß eines anderen Faktors über dem Einfluß des Determinators überwiegen: Anzahl und Inhalt der Bestimmungen im Antezedens, Zusammensetzung und Inhalt des Relativsatzes, Kenntnis der außersprachlichen Wirklichkeit, unpersönlich gebrauchtes Existenzverb, am häufigsten das Verb "imati", das das Antezedens regiert, sowie partitiver Genitiv des Antezedens (diese beiden letzten Faktoren wirken immer zugunsten der Restriktivität der Bestimmung). Daß die Determinatoren zur Restriktivität oder Nicht-Restriktivität des Relativsatzes beitragen, bestätigen auch die Beispiele, in denen der Relativsatz sowohl restriktiv als auch nicht-restriktiv interpretiert werden kann, und in denen er ohne Determinator im Antezedens hingegen nur restriktiv oder nur nicht-restrikiv interpretiert werden könnte.

English Abstract: Since relative clauses introduced by "koji" ('which') are the most frequent ones in Serbo-Croatian, they are used in this paper to show the influence of the antecedent's meaning on the formation of relative clause as a restrictive or a non-restrictive attributive clause. The frequencies of restrictive and non-restrictive relative clause are almost identical in the written language, as is borne out by the analysis of the present corpus. In each of the functional styles of the written language the difference in the frequency of the two clause types is negligible. Only the administrative or legal style has a somewhat larger number of restrictive clauses. This is understandable because of the contents of the text, where something is being defined or distinguished with precision (e.g. what is allowed and what is not, who is responsible and who is not etc.). Owing to this the administrative or legal style comes nearest to the spoken language, where the greatest frequency of restrictive relative clauses can be explained by a preferance for simple expression and short clause structure. For this reason many clauses that are formulated as non-restrictive relative clause in written language, are in spoken language realized as independent clauses (this is why the number of non-restrictive relative clauses is not large). A somewhat less restrictive written style is to be found in scientific texts. More than other styles, the style of science contains clauses in which a referent defined with precision is further elaborated by additional explanation and information. It is plain from the corpus that the content of the antecedent influences the restrictive or non-restrictive character of the relative clause. When the antecedent is a proper noun or a word denoting a unique referent, the relative clause is non-restrictive. Examples from the corpus demonstrate how a personal pronoun as antecedent can cause the relative clause to be understood as non-restrictive. The analysis has however shown that there are counterexamples, where the partitive genitive of the personal pronoun operates in the opposite direction: it causes the relative clause to be understood as restrictive. Although the restrictive or non-restrictive character of the relative clause is generally the result of an interrrelationship of several different factors, among whom the pragmatic factor plays an important role, a formal constituent of the antecedent structure appears to have special significance. Its function as determiner (demonstrative, possessive, general, indefinite and negative pronoun and the word "jedan" 'one') determines the realization of the relative clause as restrictive or non-restrictive. The present analysis of the corpus has shown that in a large number of cases there is a link between the presence of a determiner in the antecedent and the restrictive or non-restrictive relative clauses. Some determiners cause the determinant that follows in the form of a relative clause to be understood as restrictive. Such is the case with the kataphoric and selecting demonstratives "onaj" 'the one over there', "takav" 'such' and "onakav" 'such, distant', inclusive determiners "svi" 'all' and "svaki" 'every', indefinite determiners meaning 'no metter which' ("ikoji, kakav god" etc.). On the other hand, some determiners cause the determinant with the same meaning to be interpreted as non-restrictive, thus the deictic and anaphoric demonstratives "ovaj" 'this one' i "taj" 'that one', all possessives ("moj" 'my', "tvoj" 'your, sg.', "njegov" 'his', "njezin" 'her', "naš" 'our', "vaš" 'your, pl.', "njihov" 'their', the reflexive possessive "svoj"), and the indefinite determiners "neki" 'some', "jedan" 'one'. The influence of the determiner can be sometimes overruled by another factor, such as the number of determinants in the antecedent and their meaning, the composition and content of the relative clause, knowledge of the extralinguistic context, an impersonal existential verb which governs the antecedent, mostly the verb "imati" (have), and the partitive genitive of the antecedent (the last two factors always occur with a restrictive determinant). Examples where the relative clause can be interpreted as both restrictive and non-restrictive prove that determiners contribute to the restriction or non-restriction of the relative clause. Without their presence in the antecedent the sentence could be interpreted only as either restrictive or non-restrictive.

Serbo-Croatian Abstract: Nakon uvida u razlike između restriktivnih i nerestriktivnih relativnih rečenica u raznim jezicima prelazi se u članku na opis relativnih rečenica uvedenih pomoću "koji" u usporedbi s odgovarajućim rečenicama njemačkog jezika. Ono što se pritom razmatra je kako prisutnost neke zamjenice u antecedentu ispred relativne rečenice utječe na tumačenje te atributne rečenice kao restriktivne ili kao nerestriktivne. Riječ je o pokaznim zamjenicama, posvojnim, neodređenim i općim.

Note: Downloadable document is in German.

Keywords: Syntax, Relative Clauses, Attributive Clauses, Demonstrative Pronouns, Anaphoric, Cataphoric, Reference, Proximal, Medial, Distal, Possessive Pronouns, Indefinite Pronouns, German, Croatian, Serbo-Croatian

Suggested Citation

Kordić, Snježana, Pronomina im Antezedenten und Restriktivität/Nicht-Restriktivität von Relativsätzen im Kroatoserbischen und Deutschen (Pronouns in Antecedents and Restrictive / Non- Restrictive Relative Clauses in Serbo-Croatian and German) (November 5, 1996). In: Suprun, Adam ; Jachnow, Helmut (Eds.), Slavjano-germanskie jazykovye paralleli / Slawisch-germanische Sprachparallelen, Minsk : Belorusskij gosudarstvennyj universitet, 1996. Pp. 163-189. Available at SSRN: https://ssrn.com/abstract=3434472

Snježana Kordić (Contact Author)

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